Sonntag, 17. März 2013

Wie die Katze zu den Menschen kam

Weitab von den Menschen, draußen in der Savanne, lebte einst eine Katze. Sie streifte durch das Gras, fläzte auf den breiten Ästen der Bäume und freute sich über das süße Leben unter der afrikanischen Sonne. Doch eines Tages dachte sie sich: Es ist doch langweilig, so alleine. Ich suche mir einen Freund.
Es dauerte nicht lange, da hörte sie das Murren und Knurren eines Katers in der Nähe. Er hatte gerade eine dicke, fette Maus gefangen und spielte jetzt mit ihr. Als er die Katze sah, begann er zu schnurren und überließ ihr die Maus.
Das war ein Gefährte ganz nach dem Geschmack der Katze. Stark war er und zuvorkommend. Sicher ist mein Kater das edelste und stärkste Geschöpf auf der ganzen Erde, dachte sich die Katze. Aber die Katze wusste noch wenig von dieser Welt, und so war sie erstaunt und geschockt, als ein Leopard aus dem Dickicht sprang und ihren Kater samt der Maus, die er im Maul trug, verschlang.
Wenn der Leopard meinen Kater fressen kann, so ohne weiteres und so plötzlich, dann muss wohl der Leopard das stärkste Tier auf dieser Erde sein, dachte die Katze und schmiegte sich schnurrend an die Beine des Leoparden.
Das Glück währte allerdings nicht lange. Ein Löwe lauerte hinter einem Felsen, und als der Leopard daran vorbeispazierte, machte der Löwe einen großen Satz und fraß den Leoparden auf. Voller Bewunderung schloss sich die Katze dem Löwen an. So ein mächtiges Tier. Der Löwe musste wahrlich der Herrscher der Savanne sein, ja der König der Tiere.
Doch da hörte die Katze ein hässliches Geräusch. Patsch, und der Kopf des Löwen zerplatzte. Ein Elefant hatte den Löwen mit nur einem Fußtritt getötet. Schnell kletterte die Katze auf den Rücken des Elefanten und machte es sich zwischen seinen Ohren gemütlich. Ja, hier konnte ihr wirklich nichts Schlimmes mehr passieren. So ein Elefant würde sie vor allen Gefahren beschützen. Der Elefant war ein würdiger Gefährte für so ein schönes und edles Tier wie die Katze.
So in Gedanken versunken, mit sich selbst zufrieden, wurde die Katze durch einen dumpfen Knall aufgeschreckt. Der Elefant sank in die Knie, kippte zur Seite und war tot. Jetzt war sich die Katze ganz sicher. Der Mann mit dem Gewehr, der war das herrlichste Geschöpf auf Erden. Wer sonst konnte einen Elefanten mit nur einem Schuss töten?
Da die Katze beschlossen hatte, nur das mächtigste und stärkste Wesen der Erde als ihren Gefährten zu akzeptieren, folgte sie nun dem Mann zurück ins Dorf. Als sie bei der Hütte des Mannes ankamen, machte es sich die Katze auf dem Dach bequem. Sie lag da in der Sonne und räkelte sich. Zwischendurch streunte sie durch das Dorf und fing Mäuse. Manchmal stahl sie auch ein wenig Milch, und so verlebte sie viele glückliche Tage in dem Dorf. Bald hatte sich die Katze ganz gut eingelebt. Der Mann enttäuschte sie nicht. Er war wirklich ein sehr starkes Wesen, ein herrliches Geschöpf unter der Sonne. Doch eines Tages hörte die Katze Geschrei aus der Hütte des Mannes. Der Mann und seine Frau stritten. Sie brüllten einander an, und da taumelte der Mann vor die Tür, stürzte und fiel in den Staub.
Jetzt ist mir alles klar, sagte sich die Katze. Der Mann ist doch nicht das herrlichste Wesen auf Erden. Schon huschte sie vom Strohdach und schlüpfte in die Hütte. Dort beobachtete sie die Frau eine Weile, und als die Frau sich in einen bequemen Stuhl setzte und ein Buch aufschlug, hüpfte die Katze auf ihren Schoß und rollte sich dort ein. So kam die Katze zu den Menschen, und so kommt es, dass sich Katzen immer dort am wohlsten fühlen, wo es nicht nur Menschen, sondern auch Bücher gibt.

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