Freitag, 22. März 2013

Petros Markaris - Zahltag

Die Eröffnungsszene von Petros Markaris zweitem Krisenkrimi „Zahltag“ birgt die Verzweiflung und den Horror der Finanz- und Wirtschaftskrise in einer kleinen Szene. Vier Rentnerinnen haben sich das Leben genommen. Die Kriminalpolizisten stehen in der Athener Wohnung und finden den Abschiedsbrief: „Da wurde uns klar, dass wir der gesamten Gesellschaft nur noch zur Last fallen“, schreiben die vier. „Da haben wir beschlossen zu gehen.“
Dieser Selbstmord ist der Auftakt zu einer Fahrt durch die Unterwelt. Kostas Charitos nimmt uns mit auf eine Reise durch den Alltag der Krise. In Athen werden reiche Griechen umgebracht. Es sind Griechen, die den Finanzbehörden ihr wahres Einkommen verschleiern und deshalb weniger Steuern zahlen. Da die staatlichen Behörden nichts gegen diese Hinterziehungen unternehmen, hat sich der „nationale Steuereintreiber“ selbst ermächtigt, diese Leute zur Rechenschaft zu ziehen. Wer nicht zahlt, stirbt.
Markaris wurde für seine Krisentrilogie kritisiert. Das seien keine wirklichen Wirtschaftsthriller und Politkrimis auch nicht. Aber diese Kritik geht an der Intention der Bücher vorbei. Petros Markaris will uns nicht wie John Grisham einen Einblick in die Sphäre der Macht bieten, nein, er zeigt uns die Krise aus der Perspektive der Straße. Wie erleben die Athener Bürger den Wahnsinn der Ausbeutung und Verelendung? Das ist die Frage, die Markaris umtreibt. Die Krimihandlung fügt sich dabei ohne Mühe in die Beschreibung des Lebens in Athen. Kostas Charitos ist kein Superbulle und steht selbst jeden Tag vor den gleichen Problemen wie seine Mitbürger. Seine Tochter und ihr Mann haben zwar jeweils eine Universitätsausbildung, aber einigermaßen gut bezahlte Jobs, die haben sie nicht. So überlegt Charitos Tochter, nach Afrika auszuwandern. Vielleicht kann man sich dort eine Existenz aufbauen, vielleicht verdient man dort so viel, dass man sich das Leben leisten kann. Während sich Kostas Charitos also mit seinen Familienproblemen und dem Verkehr in Athen herumschlägt, mordet der Serienkiller weiter, und den Menschen gefällt es, dass da einer die Gerechtigkeit selbst in die Hand nimmt.
Petros Markaris schafft mit „Zahltag“ einen beinahe schon klassischen Krimi. Die Krimihandlung verwebt sich mit der Beschreibung des alltäglichen Lebens, mit der unaufdringlichen Analyse der Krise und den Geschichten ganz gewöhnlicher Menschen.

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