Sonntag, 9. September 2012

Der heilige Mann in der Niklai

Ein heiliger Mann, mit Namen Zacharias Laggner, zog vor vielen hundert Jahren von Sachsenburg aufwärts entlang des Feistritz- bzw. Niklaierbaches bis unter den Salzkofel. Sein erstes Haus baute er am oberen Rand des Keuschenwaldes, wo eine Lärche mit neun Wipfeln stand. Dann begann er damit, das Land zu roden und zu bebauen. So gründete er die Ortschaft Niklai.
Der heilige Mann hatte neun Söhne. Auch für sie baute er Häuser und noch vor zweihundert Jahren behaupteten alle Bauern in der Niklai, dass sie von dem heiligen Mann abstammen.
Die Menschen der Umgebung erkannten bald die übersinnlichen Fähigkeiten des heiligen Mannes. So hörte er die Feiertagsglocken, obwohl weit und breit keine Kirche stand. Das war ein Geschenk des Himmels, und der Mann hielt sich auch immer an das Gebot der Feiertagsruhe. Sobald er die Glocken hörte, legte er seine Arbeit nieder.
Nur einmal war er gerade mit einer Fuhre Heu auf der Tennbrücke, als er die Glocken hörte. Weil er das Heu nicht im Freien stehen lassen wollte, schob er den Wagen noch ein Stück. Zur Strafe hörte er das himmlische Läuten sieben Jahre lang nicht mehr.
Als er im Sterben lag, holte er alle seine Söhne zu sich und gab ihnen Anweisungen für sein Begräbnis. Man solle seine Leiche auf einen Wagen legen und vor diesen Wagen zwei ungelernte Ochsen spannen. Dort wo die Ochsen stehenbleiben würden, solle man ihn begraben. Den Ochsen rechts im Joch, solle man anschließend schlachten. Aus seinem rechten Horn müsse man ein Signalhorn fertigen. Bei Unwetter solle man das Signalhorn blasen, dann würde das Wetter wieder abziehen. Dieses Horn wurde bis 1875 in der Niklai aufbewahrt. Dann soll es durch einen Brand zerstört worden sein.
Die Söhne ihm seinen letzten Wunsch. Bis nach Pusarnitz zogen sie den Leichnam. Dort gab es zu dieser Zeit schon eine Kirche. Mitten auf dem Friedhof waren die Ochsen nicht mehr zum Weitergehen zu bewegen. An dieser Stelle begrub man den heiligen Mann.
Da das Grab außerhalb der Kirche lag, entschloss man sich, eine Kapelle an die Kirche anzubauen. In dieser Kapelle befindet sich heute das Grab des heiligen Mannes aus der Niklai.
Dort ist auch eine Statue des heiligen Mannes zu sehen. In einer Mauernische steht ein offener Sarg, und darin ruht die Figur des Mannes. Um die Statue haben sich verschiedene Bräuche gebildet. So pilgerten die Bauern zu der Statue, wenn im Sommer der Regen ausblieb. Ein Mädchen musste die Figur dann mit einem feuchten Tuch abreiben. Das sollte den Regen zurückbringen. Drohte aber ständiger Regen die Ernte zu verderben, dann musste das Mädchen mit einem trockenen Tuch reiben. Dieser Brauch hörte erst im 19. Jahrhundert auf.