Sonntag, 24. Juni 2012

Die Sagen und die Ortstafeln


Mittlerweile bin ich bei Sage Nummer 78 angelangt. Das heißt, etwa zwei Drittel des Buches sind geschafft. Trotz des Zeitdrucks hat die Arbeit bis jetzt großen Spaß gemacht, und ich freue mich darauf, diese faszinierenden Geschichten bald in einem Buch versammelt zu sehen.
In den letzten Tagen haben mich ein paar Leute auf die zweisprachige Ortstafel in unserem Garten angesprochen. Ob wir damit provozieren wollen? Nein, eigentlich nicht. Die Tafel soll nur ein mehr oder weniger dezenter Hinweis drauf sein, dass wir a) in einem zweisprachigen Gebiet leben, b) dass wir die Rechte von Minderheiten nicht nur zu respektieren, sondern zu fördern haben und c) dass Slowenen, deutschsprachige Kärntner und alle anderen Bewohner des Alpen-Adria-Raums über Jahrtausende eine friedliche Gemeinschaft gebildet haben.
Mein Sagenbuch soll auch ein Beitrag sein, diesen letzten Punkt ins Bewusstsein zu rücken. Seit man denken kann, also etwa seit der Altsteinzeit, herrscht zwischen den Regionen dies- und jenseits der Karawanken Austausch und Einigkeit in vielen Dingen. Nicht nur ein Blick auf die historische Entwicklung zeigt das.
Wenn die Kärntner und die Slowenen so grundverschiedene Menschen sind, warum werden dann hier wie dort die gleichen Geschichten erzählt? Wenn die Slowenen und die Kärntner, gar nicht zu reden von den Friulanern, so völlig verschiedene Kulturen pflegen, warum reitet dann die Gute Frau Percht überall auf den Sturmwind, und die Saligen und die Haden haben sich auch nicht nach Slowenien verirrt, sie sind dort genauso zu Hause wie in Kärnten.
Ich hoffe, mein Buch unterhält die Leserinnen und Leser. Das hoffe ich wirklich, denn Literatur, die nicht unterhält wird die Menschen auch nicht erreichen. Aber neben der Unterhaltung soll dieses Buch auch dazu beitragen, die Diskussion um die kulturelle Vielfalt im Alpen-Adria-Raum etwas zu bereichern.




Dienstag, 12. Juni 2012

Günter Neuwirth: Erdenkinder - Ökokrimi und Pageturner


Erdenkinder
Krimi von Günter Neuwirth

Selten war österreichische Krimiliteratur so spannend. Der alte Bauer Josef Lehner geht in aller Herrgottsfrüh hinaus und öffnet einen Komposthaufen. Mit nackten Füßen steht er im Dreck und genießt den Geruch nach Humus. Dann macht er eine Pause und trinkt von seinem Kräutertee. Wenig später ist er tot. Vergiftet mit einer Überdosis Fingerhut.
In seinem neuen Krimi entführt uns Günter Neuwirth in ein oberösterreichisches Dorf, in dem sich die Einheimischen, die Mitglieder einer Ökokommune namens Erdenkinder und die Betreiber eines Kraftwerkes seit Jahren eine Fehde liefern.
Der Bauer Josef Lehner führte diesen Krieg auf seine Weise. Er ließ die Erdenkinder auf seinem Grund siedeln und baute mit ihnen eine ökologische Landwirtschaft auf. Jetzt, da er tot ist, stehen die Erdenkinder unter Verdacht.
Christina Kayserling von der Kripo Steyr wühlt sich mit ihrem behäbigen Kollegen Brandstätter von der örtlichen Polizei durch Verdächtigungen, falsche Fährten und Intrigen, dass es eine Freude ist. So soll ein Krimi sein. Wir Leser werden nicht nur in die Geschichte hineingezogen, so dass wir es kaum erwarten können, die Seite umzublättern, wir erfahren etwas über das Leben da draußen, über das Denken und Fühlen der Menschen und in diesem Fall so einiges über Permakultur und wie es sich anfühlt, sich im eisigen Bachwasser zu waschen.
Günter Neuwirths Roman ist ein Lichtblick in der österreichischen Literaturlandschaft. Ein Roman, der das Prädikat literarischer Krimi wahrhaftig verdient. Unterhaltung auf hohem Niveau.

Sonntag, 3. Juni 2012

Sagen aus Kärnten, Friaul und Slowenien


Seit ein paar Tagen sitze ich an einem neuen Sagenbuch und ich bin begeistert. Jede Sage ist eine kleine perfekte Geschichte. Weil sie so oft erzählt wurde, ist alles von ihr abgefallen, was nicht zur Fabel gehört. Diese Juwelen zu bergen und neu schleifen, das ist natürlich eine Freude.
Die Geschichten haben alles, was große Literatur ausmacht. Sie sind spannend, komisch und manchmal gruselig. Vor allem aber handeln sie von den Dingen, die wirklich wichtig sind. In Kärnten, Slowenien und Friaul wandeln wir auf dem heiligen Boden der Saligen und ich finde, es tut uns Not, diese Geschichten zu hören.
Ich erzähle die Geschichten neu, denn ich glaube, es geht nicht darum, diese Geschichten als Antiquitäten zu bewahren, sondern darum, sie neu zu entdecken. Das Buch ist eine Entdeckungsreise, aber vor allem das Schreiben so eines Buches ist ein Abenteuer. Ich werde hier von dieser Abenteuerreise berichten.