Mittwoch, 23. Mai 2012

Faule Kredite



Griechenland geht vor die Hunde, wird von den Hilfsaktionen zu einem Entwicklungsland degradiert. Petros Markaris zeigt mit seinem Krimi „Faule Kredite“ wie das aus der Innenperspektive aussieht. Eine Leseerfahrung, die allen gut tun würde, die glauben, die Finanzmärkte müssten gerettet werden, wenn man den Menschen helfen will. Was richtet die Krise im Alltag an? Was geschieht, wenn den Beamten, den Angestellten und Arbeitern der Lohn gekürzt wird?
Markaris zeigt, wie ein Land an der bitteren Medizin der Troika verreckt, was geschieht, wenn das Geld und die Gier wichtiger sind als die Menschen.

Den Leuten ist das Geld ausgegangen … Aufträge gabs, solange Geld im Umlauf war. Dabei spielte keine Rolle, was man verkaufte und was man kaufte, und es spielte keine Rolle, ob auf Pump oder nicht. Ausschlaggebend war, dass überhaupt Geld im Umlauf war.“

Freitag, 18. Mai 2012

Der Vampir von Vukovar


Die erste Ernesto Valenti Story ist erschienen: 
 


Die Geschichte führt noch einmal nach Kroatien. Ernesto Valenti ist einem der schrecklichsten Geheimnisse des Krieges auf der Spur. Das Rave in Vukovar wird Ausgangspunkt einer rasanten Verfolgungsjagd. 




Von heute bis Dienstag gratis: Der Vampir von Vukovar


Montag, 14. Mai 2012

In memoriam Ernst Hinterberger


Der ORF ehrt den heute verstorbenen Autor Ernst Hinterberger? Was man erst am Donnerstag ins Programm hebt, sieht eher wie eine schäbige Pflichtübung aus: eine Folge des legendären Trautmann ab 21.30 Uhr, eine Folge „Ein echter Wiener geht nicht unter“ und für alle, die an Schlaflosigkeit leiden, sieben Folgen Kaisermühlen-Blues.
Ernst Hinterberger war nicht nur einer der bedeutendsten Schriftsteller Österreichs und vielleicht der wichtigste Drehbuchautor der letzten 30 Jahre, für den ORF war er auch ein sicherer Quotenbringer. Ich finde das Verhalten des ORF jedenfalls peinlich und werde schon heute zur Trautmann DVD-Box greifen.
Übrigens – was uns der öffentliche Rundfunk auch verschweigt – den Trautmann gibt es auch in Buchform.

Samstag, 12. Mai 2012

Draculas Erben


Vampire wohin man schaut, Liebesromane, Vampire im Shoppingwahnsinn und man glaubt es kaum – spannende Vampirgeschichten für Erstleser. Angesicht der Vampirschwemme der letzten Jahre wundert man sich aber über nichts mehr.
„Ich habe einen Vampir und einen Werleoparden als Freund“, – du meine Güte, was für ein Klappentext. Selbst Abraham Lincoln muss als Vampirjäger herhalten.
Wer zu Lesefastfood neigt, und das muss ja nicht unbedingt schlecht sein, der kann es ja einmal mit „Der Vampir auf dem heißen Blechdach“ von Kerrelyn Sparks versuchen.

Dennoch, aus dem Vampirwahnsinn ragt gelegentlich ein Buch heraus. „Der Historiker“ von Elizabeth Kostova ist so ein Buch. Der Roman erzählt eine komplexe Geschichte zwischen Kindheitserinnerung und historischer Spurensuche. Die Protagonistin findet in der Bibliothek ihres Vaters ein altes Buch, das bis auf eine Drachenabbildung leer ist. Zwischen den Seiten des Buchs steckt aber auch noch ein Brief, der die Leserin warnt, nach der Bedeutung des Drachen zu forschen. Und schon stecken wir mitten in einer Suche nach dem wahren Graf Dracula, nach Vlad Tepes III. Sehr lesenswert. 

Sonntag, 6. Mai 2012

Draculas Kollegen


Vlad Tepes war sicher in mehrerer Hinsicht eine gute Wahl als Vorbild für Graf Dracula. Er eignet sich bestens für die Projektionen der schwarzen Romantik und verkörpert einen Archetypen des faszinierend Schreck-lichen. Doch Stoker hätte sich durchaus andere Vorbilder suchen können, und beinahe hätte er sich in die Steiermark verirrt und die Gräfin Johanna Anna von Purgstall von Schloss Hainfeld als Vorbild gewählt.
Aber wenn schon eine Frau, dann wäre auch die ungarische Blutgräfin Elisabeth Bathory eine gute Wahl gewesen. Immerhin badete sie dem Vernehmen nach gern im Blut von Jungfrauen.
Gilles de Rais, Mitstreiter der Johanna von Orleans, hat es zwar nicht zum Vampir geschafft, aber als Ritter Blaubart ist auch er in die Mythologie eingegangen. Er rottete seine halbe Grafschaft aus, um seinen Blutdurst und seine sexuellen Gelüste zu befriedigen. Dafür wurde er auch gehängt.
Barthory und de Rais wurden zwar filmisch gelegentlich gewürdigt, die definitive literarische Aufarbeitung scheint aber noch auszustehen. Dennoch zwei Literaturtipps.

Leider noch nicht auf deutsch:

Zu Gilles des Rais:

Mittwoch, 2. Mai 2012

Draculas Großmutter


Wer heute die Erzählung „Carmilla“ (1872) von Joseph Sheridan Le Fanu liest, wird von der raffinierten Story ebenso begeistert sein wie Le Fanus Zeitgenossen.
Die Erzählung schildert aus der Perspektive der Ich-Erzählerin Laura die Ereignisse auf einem steirischen Schloss. Laura und ihr Vater nehmen eine junge Frau namens Carmilla bei sich auf. Zwischen Carmilla und Laura entwickelt sich eine innige Freundschaft, die aber von erotischen Tönen durchsetzt ist, ja im Laufe der Handlung immer mehr ins Sexuelle kippt.
„Carmilla“ ist nicht nur die erste Geschichte mit einem weiblichen Vampir, sondern auch eine Möglichkeit, Joseph Sheridan Le Fanu kennenzulernen, einen Autor, der so spannend erzählt, dessen Geschichten so rasant ablaufen, wie es kaum ein zeitgenössischer Thrillerautor zuwege bringt.

Original 

Übersetzung:
Joseph Sheridan Le Fanu, „Carmilla, die Vampirin“, Diogenes, Zürich, 2011